Bald wird es keine Zeitzeugen mehr geben, die von der verbrecherischen Zeit der Nationalsozialisten berichten können. Andere Formen des Gedenkens müssen gefunden werden. Damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt, begaben sich am 27. Januar einige Schülerinnen und Schüler des Reuchlin-Gymnasiums auf eine Zeitreise ca. 100 Jahre zurück in die Geschichte unserer Schule.

Der Rundgang zu den Wohnungen ehemaliger jüdischer Schüler, die zwischen 1900 und 1929 unsere Schule besuchten, wurde von vier Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen geplant und durchgeführt. Sie konnten auf die umfangreiche Vorarbeit des P-Seminars Geschichte 2019-2021 zurückgreifen.

Die Führung startete am Erinnerungszeichen für Josef Gunzenhäuser im Pausenhof der Schule. Dieser ehemalige Schüler starb im Sommer 1942 im Ghetto Theresienstadt an Nahrungs- und Medikamenten-entzug. Im Verlauf der Veranstaltung lernten die Schülerinnen und Schüler insgesamt 12 ehemalige jüdische Schüler und deren teilweise sehr tragische und bewegende Schicksale kennen. Den Vertriebenen und Ermordeten wurde durch den Rundgang ein Gesicht gegeben. An den Wohnhäusern der Familien wurde klar, dass es sich hier nicht um abstrakte Vorgänge an fernen Orten handelte. Auf historisch wichtige Orte wie beispielsweise den ersten israelitischen Betsaal in der Wohnung der Schüleins in der Milchstraße 9 wurde die Gruppe genauso aufmerksam gemacht wie auf die Synagoge im Rückgebäude der Theresienstraße 23. Während des Vortrags wurden die Schüler nicht nur mit kleinen Rechen-, Rätsel- oder Suchaufgaben gefordert, sondern es gab auch zahlreiche historische Fotos zu bestaunen.

Die Exkursion endete schließlich bei den Stolpersteinen vor der Theresienstraße 28 zum Gedenken an die Familie Luchs. Der ehemalige Schüler Arthur Luchs floh im Frühjahr 1938 zur Familie seiner Schwester nach Palästina. Seine Eltern wurden Opfer des Holocaust.

Nach dem Rundgang haben jetzt alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine konkretere Vorstellung davon, wie es in Ingolstadt war, als die Vertreibung und die NS-Vernichtungspolitik begannen.

Lauren auf dem Berge, 9b

Vor der Fassade der ehemaligen Synagoge
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